Dieser Blog erzählt die Geschichte von drei Handvoll Erde und und ihrer Reise durch ein Jahrhundert.
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Mittwoch, 14. Januar 2015

Die Erstgefallenen - De Eerstgevallenen

Theo Toebosch befragt im Rahmen seines Vortrages über die Erstgefallenen des ersten Weltkrieges unterschiedliche Erinnerungskulturen an den Ersten Weltkrieg mit dem besonderen Augenmerk auf den traurige Verdienst, als erster gefallen zu sein. Der sehr unterschiedliche Umgang mit den Erstgefallenen in Deutschland und in Frankreich - gestern wie heute - wird Thema des Vortrages und der anschließenden Diskussion sein.


Der Archäologe und Wissenschaftsjournalist Theo Toebosch aus Amsterdam arbeitete über vier Jahre an diesem Thema und verfasste ein Buch mit dem Titel „De eerstgevallenen“, das bisher auf Niederländisch erschienen ist.

Während meiner Recherchen zu Albert Mayer lernte ich ihn kennen und freue mich ganz besonders, mit ihm nach seinem Vortrag im Widukind Museum im Kontext der Sonderausstellung MAYERS ERDE zu diskutieren.

Sie und Ihre Freunde sind zum Vortrag am 21. Januar um 20 Uhr im Widukind Museum Enger herzlich eingeladen.

 Ich freue mich sehr über Euer und Ihr Kommen.


im Projekt MAYERS ERDE


Dienstag, 7. Oktober 2014

Dreimal MAYER

Aktuell bereite ich drei mal Mayer vor.
Den vorläufige Untersuchungsstand um Mayers Graberde und ihrer Reise durch ein Jahrhundert stelle ich in einem performativen Vortrag in der Kunsthalle Osnabrück , Hasemauer 1, am Donnerstag, den 9. Oktober 2014 um 19 Uhr vor.

Dann zieht MAYERS ERDE weiter als eine Installation nach Dresden im Rahmen der Anmerkungen zu Beginn eines kurzen Jahrhunderts in die Motorenhalle (Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden). Eröffnung, am Mittwoch, den 15. Oktober 2014 um 20 Uhr.

Schließlich zeige ich den künstlerischen Forschungsapparat rund um historische Graberden in dem WIDUKIND MUSEUM in Enger.
Eröffnung, am 1. November 2014 um 17 Uhr.

Die Ausstellungen und Performances bewegen sich zwischen Heiligen Graberden aus einer fernen Vergangenheit und einem künstlerischen Bericht über und von einem der auszog, um ALBERT MAYER, (dessen Graberde und -ruhe entnommen, verheiligt, verehrt, verachtet, musealisiert und schließlich profaniert wurde...  )
seine Erde 100 Jahre nach seinem tragischen Tod zurückzubringen.

Ich freue mich sehr über Euer und Ihr Kommen.

im Projekt MAYERS ERDE

Montag, 1. September 2014

Bericht aus Joncherey


 

100 Jahre nach dem Tod des Albert Mayer wollte ich in einer stillen Geste, dem ersten deutschen Gefallenen des ersten Weltkrieges, seine zwischenzeitlich entnommene Graberde zurückbringen. Drei Handvoll seiner "Heiligen Erde" waren von den Nationalsozialisten als eine Reliquie verehrt und zur Förderung der Opferverherrlichung in der Widukind Gedächtnisstätte mißbraucht worden.

Drei Stunden später und 38 km vom Friedhof in Illfurth entfernt, fand in Joncherey ein anderes Erdritual statt. Der Bericht aus Joncherey erscheint ein Monat nach dem Zeremoniel und versucht sich an einer Aufarbeitung des Gesehenen. Bleibt vorläufig und unfertig, ratlos an einem ersten September 2014.

Lange vor der Realisierung meiner persönlichen Geste für einen einzelnen Toten, hatte ich in Deutschland und Frankreich die Orte der historischen Begebenheiten aufgesucht sowie sein Grab in Illfurth auf dem Deutschen Soldatenfriedhof und insbesondere dort die "Echtheit" der Graberden untersucht.

Dabei lernte ich Maurice Nicoud - den Bürgermeister von Joncherey - kennen. Diesem erzählte ich von meinem Plan, Albert Mayer seine Erde zurückzubringen, um seine Grabruhe 100 Jahre nach seinem Tod wiederherzustellen. Und brachte ihn auf eine Idee, die eine neues Erdritual bewirken sollte. Dazu später.

Am 2. August 1914 hatte eine Deutsche Patroullie die französische Grenze überquert und war in der Nähe von Delle auf französische Soldaten getroffen. Dort kam es zu einem Gefecht, in deren Folge der erste deutsche und der erste französische Soldat zu Tode kamen.

Bis heute erinnert man alljährlich in Joncherey an die tragischen Ereignisse vom 2. August 1914 mit dem besonderen Augenmerk auch darauf, dass es das imperiale Deutsche Kaiserreich war, welches illegal die Grenze verletzte und damit am Vortag vor der Kriegserklärung die tödliche Begegnung verursacht hatte. Der ermordete Caporal Peugeot erhielt in den zwanziger Jahren ein eigenes Monument, welches von Soldaten der Deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieges zerstört wurde. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Erinnerung an die Deutschen vor Ort nicht ungetrübt erscheint!

Das Originalcappi von Jules André Peugeot ruht bis heute im Rathaus von Joncherey in einem Ehrenraum, wo auch die postmortem verliehenen Orden für den Caporal ausliegen und Fotos die Geschichte dokumentieren. Für das Centenaire plante die Mairie ein besonderes Ereignis und wollte dabei die Familien der beiden ersten Opfer zusammenführen, auf dass sie sich kennenlernen.

Neben dem üblichen militärischen Zeremoniell, das alljährlich zur Ehren für Peugeot stattfindet, entstand so ein vielteiliges Erinnerungsspektakel, bestehend aus
dem berittenen Schauspiel in Originaluniformen, das die Ereignisse am Originalort nachstellte,
dem Erdritual, welches die Graberden von Albert Mayer und Jules André Peugeot in einer marmornen Urne vereinen sollte,
dem Aufmarsch von Abgesandten verschiedener militärischer Divisionen und Veteranenverbänden, die zu unterschiedlichen Musiken und Reden den Toten ihre Ehre erwiesen, sowie endlich der Umbenennung einer Straße in Joncherey, die nach dem letzten inzwischen verstorbenen Überlebenden des Ersten Weltkrieges benannt wurde. (Lazare PONTICELLI,  le dernier des «  poilus  » mort le 12 mars 2008)...

Graberden von Jules André Peugeot (links) und Albert Mayer (rechts) am Monument in Joncherey.
Schwerpunkt meines Interesses war das Erdritual, welches von zwei Verwandten aus den Familien Peugeot und Mayer vollzogen wurde.
Nach dem Ende des Schauspiels überreichten die beiden Darsteller der Erstgefallenen zwei Angehörigen aus den Familien die Erden in den oben abegebildeten Behältern aus Plastik. Das Ritual wird vor dem Monument des Caporal Peugeot vollzogen, welches in unmittelbarer Nähe des tödlichen Tatortes aufgebaut wurde.



Im Hintergrund hört man Soldaten, die ihre Gewehre präsentieren und man sieht Fotografen und Filmer, die das Ritual aus nächster Nähe zu dokumentieren beginnen. Sie schieben sich als eine undurchdringliche mediale Folie zwischen die Zuschauer und die Akteure des Rituals. Das Publilkum kann anderntags in den Zeitungen oder schon in den Abendstunden die Ereignisse im Fernsehn nachsehen.
Veteranen wohnen dem militärischen Zeremoniell bei.
Die beiden Plastikbehälter mit den Graberden werden von den Verwandten der beiden Getöteten langsam in eine Marmorbox hineingelassen - der eine (Mayer) hatte den anderen (Peugeot) erschossen, die befeindeten Toten sind symbolisch vereint, befriedet
 - Zeichen eines neues Kapitels deutsch-französischer Freundschaft - aufgestellt am Originalschauplatz ihrer tödlichen Begegnung. 

Der Begegnung einer berittenen Patroullie mit einem Vorposten am Ortseingang. Einem Plot aus dem man Drehbücher für einen Western machen könnte - aus dem ein historisches Reinactment erwächst, dass zweisprachig in Deutsch und Französisch kommentiert wird. Der historische Mayer näherte sich dabei mit verdeckter Pickelhaube auf seinem Pferde dem Publikum - sein Pferd scheute - und dann hörte man die Schüsse....

 
Fragen konnte man nicht Mayer und nicht Peugeot - und antworten konnten die beiden noch weniger. Tote schweigen. Schauspieler spielen. Die beiden gespielten Toten werden in das Gras gelegt.

Dem Spiel folgte die Erdvereinigung der Erstgefallenen und am Ende der Erdvereinigung stand das große Schütteln der Hände. Die überlebenden Angehörigen reichen sich ebenso die Hände, wie die beiden Darsteller der getöteten Protagonisten dieser traurigen Geschichte in einem kleinen Grenzort zwischen dem Kaiserreich und der französischen Republik. Und sie gaben sich ihre Hände einmal und zweimal und noch einmal - für all die Fotos, die dort geschossen wurden.

Die französische Tradition des Gedenkens an den Großen Krieg erscheint als eine ungebrochene und sie versteht sich aus der Perspektive der legitimen Verteidigung des Vaterlandes gegen einen Aggressor. Seit 1914 und vorher schon 1870/71 und länger noch als 1945. Die militärischen Toten werden gemeinsam erinnert - als Gefallene für Frankreich.

Die deutsche Tradition der Erinnerung an den ersten Weltkrieg findet stets im Schatten des zweiten statt - wo sich Kriegsschuld und Verantwortung sehr klar eruieren lassen. Hier wird mit den "Helden" gebrochen und der soldatische Mut verblasst vor der unvorstellbaren Dumm- und Grausamkeit des deutschen Handelns. Der Gefallene ist tragisch - das Gedenken verhalten, zurecht, ...denn was waren die Umstände!

Wenn 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg sich in Joncherey deutsche und französische Angehörige der ersten Gefallenen Soldaten aufeinandertreffen, so geschieht das in einem friedlichen Ansinnen und in einem positiven Gedenken an die vergangene und begrabene Feindschaft zwischen den Nationen.

Wenn allerdings 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg das Gedenken an den Krieg so ungebrochen militärisch stattfindet, so frage ich nach den Millionen folgenden Toten und nach der Verantwortung der Militärs, die über vier Jahre ihre Soldaten in den unsinnigen und nahezu sicheren Tod beim Erstürmen feindlicher Schützengräbe schickten. Das Gedenken an diese grenzenlose  und grenzüberschreitende Dummheit suchte ich vergebens zwischen den vielen Uniformen in Joncherey.

Hier scheint mir ein Bruch mit dem militärischen Heldentum angebracht, der sich nicht scheute, wieder und wieder ihre Männer in den Tod zu schicken.

Mein Versuch der Wiederherstellung der Grabruhe von Albert Mayer hatte ein neues Erdritual ausgelöst und nur unter neuem Vorzeichen wurden nun wieder "Heilige Erden" entnommen und so kam es erstmalig zu einer offiziellen Vereinigung von französischen und deutschen Graberden. 

Und es lagen am 2. August nur 38km zwischen einer kleiner stillen und einer großen lauten Realisierung denkbar unterschiedlicher Erinnerungsstrategien.

Sehnsucht nach einem zivilem Gedenken stellt sich ein......ein diffuses Gefühl des Scheiterns ebenso. ...und das einer wachsender Ohnmacht, wo das Kriegen in Europa wieder hoffähig zu werden scheint.

Ratlos, am 1. September 2014

im Projekt MAYERS ERDE

Sonntag, 17. August 2014

Stille Geste

zurück aus den Vogesen arbeite ich aktuell an der Dokumentation der
Stillen Geste für Albert Mayer.
Demächst mehr.

Ruppe Koselleck, am 17. August 2014
im Projekt MAYERS ERDE

Mittwoch, 16. Juli 2014

Mayers Erde unterwegs

Auf diesem Blog dokumentiere ich die unterschiedlichen Stationen der seltsamen Reise von drei Handvoll Graberde durch ein Jahrhundert. Nachdem im Jahr 1937 der Kaufmann Wilhelm Ludewig im Auftrag der Widukind Gedächtnisstätte Enger Graberde vom Deutschen Soldatenfriedhof in Illfurth entnommen hatte, wurde die Graberde in einem nationalsozialistischen Kontext zur Heldenverehrung verwendet und in einen diffusen Zusammenhang mit dem Sachsenkrieger Widukind gestellt. Sein germanischer Kampf gegen den Frankenkönig Karls des Großen galt als ebenso vorbildlich wie das erste "Blutopfer" Albert Mayer, der bereits ein Tag vor Kriegsausbruch in Frankreich auf berittener Patroullien tod vom Pferd gefallen war. Der Kult um die "heilige" Erde des Erstgefallenen sollte den jungen Deutschen, einen Heldentod schmackhaft machen, den sie zu lernen hatten, denn der nächste Krieg war längst geplant...

Widukind Gedächtnisstätte, 1939 - Quelle: Widukind Museum Enger
"Solange noch ein einziger Deutscher lebt, stirbt Widukind nicht."  stand in der Nachbarschaft der heiligen Erde geschrieben und eine wehrhafte Tonbüste untermauerte die neue deutsche Volkspädagogik, die mit dem Spruch von Adolf Hitler "Wer seinem Volk so die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen sein". Gemeint waren die zwei Millionen Toten, die als morbide Vorbilder in Ehre gehalten wurden - davon Mayer eben als der Erste galt. Was für eine Ehre!

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurde der Autor - Adolf Hitler - weiß getüncht und verschwand aus dem Bilde. MAYERS ERDE verblieb vor Ort im nationalen Kontext der heimatlichen Gedächtnisstätte zurück, bis man in den 1970er dann doch den Veränderungen der Zeit folgte und mit dem Umbau begann.

Friedhofskappelle Enger, reinszeniert 2014

Die Vitrine stand noch am selben Ort und im Bodenfilz befanden sich noch die Spuren der Aufstellung des Gedenktryptichons für Albert Mayer

MAYERS ERDE wurde neben dem Totenbuch für die Gefallenen aus dem Amt Enger in der örtlichen Friedhofskapelle abgestellt, bevor sie in den 1990ern dort von Regine Krull entdeckt wurde und zunächst im Magazin des Widukind Museums verschwand.
Im Jahr 2006 wurde MAYERS ERDE im Neubau des Widukind Museums in einem "Giftschrank" der NS Geschichte zu einem Museums Exponat zur Verdeutlichung der NS Vergangenheit.
Aus einer nationalsozialistischen heiligen Erd-Reliquie war kapellentaugliche Ehrenerde geworden, danach ein Staubfänger im Magazin, um endlich als didaktische Erde einen Einblick in das Denken im Dritten Reich zu verbildlichen.

Albert Mayer selbst hatte nie jemand gefragt (- und auch fragen können), was mit seiner Erde geschehen kann und soll. Er war kein Nazi und konnte 1914 auch noch keiner sein - er war einfach nur das erste tragische Opfer eines sinnlosen Massenschlachten, welches man wahlweise Grand Guerre, Great War oder auch einfach Erster Weltkrieg nennt.

Der Magdeburger Albert Mayer hat nichts mit Enger und noch viel weniger mit Widukind zu tun.
Seine Erde wurde zu unterschiedlichen Zeiten zu unterschiedlichen Zwecken verwendet - sein Andenken, sein Tod, seine Erde wurde mir im Jahr 2010 zum Anlaß des Projektes MAYERS ERDE mit dem Ziel 100 Jahre nach seinem Tod seine Grabruhe wiederherzustellen.

Es geht mir dabei um den Menschen Albert Mayer, dem ich in einer stillen Geste
in Abwesenheit von Uniformen und politischen Gedenkrednern, ohne Musik und ohne religiösem Zeremoniell seine Erde in der örtlichen Stille seiner Grabstätte in Illfurth an einem Augusttag 100 Jahre nach seinem tragischen Tod zurückgeben werde.

Erdentnahme aus dem Widukind Museum in Enger
Seit dem 12. Juli 2014 hat MAYERS ERDE ihre letzte Reise angetreten, die vom Museum in Enger zu seinem Grab führen wird. Jetzt ruht die Erde in einem Karton im gepackten Wagen, der heute nacht nach Frankreich fahren wird.

Dort hatte Albert Mayer noch vor seinem Tod  Jules André Peugeot erschossen und war damit nicht nur auf illegaler Patroullie gefallen, sondern zugleich zum Mörder an dem ersten französischen Toten des Grande Guerre geworden.

Dieser Umstand bewirkte eine besondere französische Erinnerungskultur, über die ich in den folgenden Blogeinträgen nach der Überbringung der Erde an dieser Stelle mit seinen besonderen Bezügen zu der Erdrückgabe berichten werde.


Ruppe Koselleck, am 22. Mai 2014
im Projekt MAYERS ERDE


MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Montag, 30. Juni 2014

Zwischen Blaubeeren und Weltkriegen


Blaubeerbusch mit Spanischem Reiter. Orbey 2013. Susanne von Bülow

Habe soeben  auf Zeche Zollverein abgebaut und bereite mich nun mit Susanne von Bülow für die gemeinsame Präsentation unserer Projekte zum Jahrestag des Ersten Weltkrieges in der Gartenakademie vor. Zwischen Blaubeeren und Weltkriegen.

Susanne von Bülow berichtet von Ihrem Blaubeerprojekt. Über den alten Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges wachsen die Blaubeeren, mit denen sie die Landschaft vor Ort malt...

Weltkriegsmüll auf Tete de Faux. Orbey 2013
Ich stelle das Projekt MAYERS ERDE zur Diskussion und beschreibe einen Weg, den eine "heilige" Graberde durch ein Jahrhundert gegangen ist. Es ist das die Erde des ersten deutschen Gefallenen Albert Mayer, der ein Tag vor Kriegsausbruch fiel, nachdem er Jules André Peugeot - das erste Französische Opfer - erschossen hatte. 1937 wurden drei Handvoll von Mayers Grab nach Enger überführt, wo sie für einen nationalsozialistischen Kult um das erste Opfer mißbraucht wurden.
Man suchte bereits neue Helden für einen weiteren Krieg, der nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte....

100 Jahre nach Albert Mayers Tod, werde ich ihm seine Erde an sein Grab zurückbringen.
Originalfundsachen, Artefakte und Filme aus dem Projekt Mayers Erde werde ich im Rahmen der Gartenakademie vorstellen.

Passenderweise findet die Veranstaltung in der Langenmarckstraße statt.
1. Juli 2014. 20 Uhr
Von Blaubeeren, Schützengräben und heiligen Erden.
Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck
zu Gast in der Gartenakademie
bei Wilm Weppelmann im Programm La vie, la vie et le jardin
Gartenanlage, Langemarckstraße 73, 48147 Münster

Das Gewicht der Geschichte in sechs Bänden, nebst einem Pokal für den ersten Gefallenen..... Zeche Zollverein.


Mittwoch, 28. Mai 2014

Spanische Reiter auf kunstrasengeschütztem Biertisch




Seit gestern steht die Installation MAYERS ERDE auf Zeche Zollverein auf 30m im Rundeindicker, aufgebaut!
Der inszenierte Forschungsapparat im Projekt MAYERS ERDE eröffnet am UNESCO-Welterbetag im Areal A [Schacht XII], Kohlenwäsche [A14] und genauer dort eben im Rundeindicker am
Sonntag, den 1. Juni 2014 um 14 Uhr. Neben dem kleinen Video vorab, finden Sie neue Versuche eines adäquaten Umgangs mit historischen Graberden von 1914 und Reflexionen um den aktuellen Umgang mit historischer und gegenwärtiger Erinnerungskultur im Jubiläumsjahr 2014.


Spanischer Reiter auf kunstrasengeschütztem Biertisch
Neben eigenen Inszenierungen, Originalfunden von den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges sind Schülerarbeiten und Filme des Gymnasium Paulinum und Skizzenbücher vom Widukind Gymnasium in Enger in die Installation integriert.

Zum performativen Vortrag im Rundeindicker der Zeche Zollverein möchte ich Sie sehr herzlich einladen. Der Vortrag findet im Kontext des Projektes Remember 1914-1918 statt.

Ruppe Koselleck, am 22. Mai 2014
im Projekt MAYERS ERDE


MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Donnerstag, 22. Mai 2014

Der andere Magdeburger Reiter


Albert Mayer (24. April 1892 - 2. August 1914), Tournierreiter und Leutnant zu Pferde

Während ich meine Memorialen Interventionen in Magdeburg vornahm, befragte ich Passanten ob sie denn den Albert Mayer kennen würden und bekam unisono staunende Blicke zurück. Welchen Mayer? Den Egon? Nö, noch nie gehört. Wer ist das? Wohnt der hier?


Anders als Jules André Peugeot, der erste französische Gefallene des Grande Guerre, dem alljährlich eine Zeremonie zur Erinnerung gewidmet ist, kennt man in Magdeburg (und wohl auch in ganz Deutschland) den Albert Mayer nicht. Der gebürtige Magdeburger - Leutnant zu Pferde - erschoß am 2. August 1914 und damit ein Tag vor der kaiserlichen Kriegserklärung an Frankreich, den Korporal Jules André Peugeot in Joncherey bei Delle nahe der Burgundischen Pforte, bevor er selbst, tödlich getroffen vom Pferd fiel. Da der Krieg noch unerklärt war und der Bankierssohn Mayer mit vier weiteren Reitern nach Frankreich auf Patroullie geschickt wurde, handelt es sich um einen illegalen Grenzübertritt - handelt es sich bei dem Gefecht mit den tödlichen Folgen möglicherweise sogar um Mord. Die Toten von Joncherey sind die Folgen des imperialen und völkerrechtsbrüchigen Deutschen Kaiserreiches und so kam es zustande, dass man den Peugeot in Frankreich in Erinnerung und den Mayer eher in Vergessenheit hält.

Meine Magdeburger memorialen Interventionen in den öffentlichen Raum konstruierten für wenige Stunden ein ALBERT MAYER STRASSE und hinterließen Spuren der Erinnerung in Form von Aufklebern auf dem Parkscheinautomaten vor seinem Elternhaus oder einem Laternenpfahl vor seinem Geburtshaus nicht weit der Elbe.

Am 20. Mai 2014 erhielt ich im Kaiser Otto Saal im Kulturhistorischen Museum die Gelegenheit einen performativen Vortrag rund um die unterschiedlichen Gedächtniskulte zu halten. In meinem Nacken und auf dem Pferde die Skulptur von Kaiser Otto - der eigentliche große und bekannte Magdeburger Reiter. Für nur wenige Stunden nutzte ich die Gelegenheit dem unbekannten Albert Mayer eine minimal-monumentale Erinnerung zuteil werden zu lassen. Der andere Magdeburger Reiter resp. die Abbildung seines Grabes vom Soldatenfriedhof in Illfurth (Elsass) lag dem hochsakral inszenierten Kaiser in der Apsis des Vortragssaal zu Füßen.



Parkscheinautomat, Richard Wagner Straße, Magdeburg 2014


Die Aufkleber auf dem Parkscheinautomaten, die an Mayer und auch Peugeot erinnern zurück - solange bis die klebenden Marken der Erinnerung wieder beseitigt werden.

Die nächste Veranstaltung im Kontext MAYERS ERDE findet am 1. Juni 2014 um 14 Uhr in der Zeche Zollverein statt.

Wohin mit historischen und "heiligen" Graberden? Wie inszenieren wir unsere Erinnerung an den fernen Krieg? Wie fern ist dieser Krieg? Worin liegen die Unterschiede nationaler Erinnerungskulturen? Was soll aus Mayers Erde werden?
Man konnte Mayer nicht und hatte seine Familie nicht gefragt, als man 1937 mit offizieller französischer Genehmigung drei handvoll Graberden in eine Opferreliquie verwandelte... Kann man Geschichte mit einer Geste beenden? Wen interessiert der 1. Weltkrieg?

Gibt es ein ziviles Gedenken an den militärischen Tod?

Zum performativen Vortrag im Rundeindicker der Zeche Zollverein möchte ich Sie sehr herzlich einladen. Der Vortrag findet im Kontext des Projektes Remember 1914-1918 statt.

Ruppe Koselleck, am 22. Mai 2014
im Projekt MAYERS ERDE


Veranstaltung: Remember 1914-1918
Ausstellungseröffnung: 01.06.2014, 14.00 Uhr
Termin: 02.06.-29.06.2014,  täglich 10.00 – 18.00 Uhr
Eintritt: frei
Veranstalter: Universitäten Paderborn und Osnabrück
Ort: UNESCO-Welterbe Zollverein, Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen
Areal A [Schacht XII], Kohlenwäsche [A14], Rundeindicker

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Sonntag, 18. Mai 2014

Memoriale Interventionen zu Magdeburg

Mayerstadt Magdeburg - Postkarte für die Stadt Magdeburg, die ihrem Gefallenen Soldaten gedenkt.
Ich packe gerade den Wagen für meine Reise nach Magdeburg, dem Geburtsort von Albert Mayer, dem ersten Gefallenen Deutschen Soldaten von 1914. Ist sein "Pech" der erste Gefallene des Weltkrieges zu sein, der besonderen Erinnerung wert? Ist der Erstgefallene gar ein persönlicher Titel, der verblasst vor den Millionen die ihm folgen werden? Ist das persönliche Unglück eine militärische Kategorie? Gibt es eine zivile Erinnerung an den soldatischen Tod?

Auf den Spuren der Erinnerung rund um den Menschen Mayer besuchte ich bereits einmal den Geburts- und Wohnort und fand keine Verweise auf den am 2. August 1914 gefallenen Leutnant zu Pferde. Mayer war ein Tag vor Kriegsausbruch auf Patroullie nach Frankreich geschickt worden und tötete in Joncherey den Sous-lieutnant Jules André Peugeot - den ersten Französischen Toten des Grande Guerre.

Beschilderung für nur einen Tag - Albert Mayer Straße in Magdeburg

Ursachen und Zusammenhänge für den unterschiedlichen Umgang mit der Erinnerung rund um die tragische Begegnung der beiden 22 und 21 Jahre jungen Soldaten, deren tödlicher Ausgang den Beginn des Krieges zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich markierten, sind das Thema dieses Blogs - Ausgangspunkt einer künstlerischen und historischen Forschung, die sich dem aktuellen offiziellen Gedenkzeremonien entzieht. 

Anders als Peugeot, dem bis heute unterschiedlich gedacht wird, ist Albert Mayer als erster Gefallener des Weltkrieges weitgehend in Vergessenheit geraten. Diesen Zustand werde ich in Form temporärer Interventionen für nur einen Tag verändern und an den historischen Orten eine reale Beschilderung hinzufügen.

Am Dienstag abend werde ich um 19 Uhr im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg einen künstlerischen Vortrag zu Albert Mayer und seine im Dritten Reich mißbrauchte Graberde halten, deren Rückführung zu seinem Grab in Vorbereitung ist.

Der Vortrag behandelt historische Graberden und den künstlerischen Umgang mit ihnen.

Neben dem Vortrag zeige ich Ausstellungsstücke, Originale, Postkarten und multiple Transformationen aus der Installation MAYERS ERDE, die bis Sonntag noch in der Welterbestätte Bergwerk Rammelsberg zu sehen sind....

Sehr herzlich möchte ich Sie zum Vortrag Mayers Erde oder dreierlei Geschichten aus Zeit und Erde einladen!

(Bei Nachfragen können Sie mich vorab am 20. Mai 2014 ab 14 Uhr telefonisch unter
0177.9700095 erreichen.)

Ort: Kulturhistorisches Museum Magdeburg, 19 Uhr, Otto-v.-Guericke-Straße 68-73

Ruppe Koselleck,
am 20. Mai 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Donnerstag, 10. April 2014

Mayer´s Feldblumen

In der Rezeptions- und Verwendungsgeschichte des ersten Deutschen Toten des Ersten Weltkrieges findet Albert Mayer in der Ausstellung "Menschen im Krieg am Oberrhein 1914-1918" eine besondere Erwähnung. Rainer Brüning - Kurator der Ausstellung -  beschreibt Mayer als einen jungen Mann, der begierig darauf aus ist, eine Heldentat zu vollbringen und läßt ihn Richtung Belfort "losstürmen". Sein tragischer Tod dient als Beleg für eine Kriegsbegeisterung im Deutschen Kaiserreich, die zwar allgemein feststellbar ist, im Falle von Albert Mayer, der auf Befehl ein Tag vor Kriegsausbruch auf Patroullie nach Frankreich geschickt wird, durchaus strittig ist.
Sein letzter Brief an seine Eltern ist von Nachdenklichkeit gekennzeichnet und von Todesahnungen durchwachsen. Seine Begeisterung oder gar Freiwilligkeit als ein illegaler und völkerrechtsbrüchiger bewaffneter Reiter nach Frankreich einzufallen, darf bezweifelt werden.

Als ein bürgerlicher Bankierssohn aus Magdeburg ist Mayer durchaus deutsch-national erzogen aber bereits sein Eintritt zum Militär ist nicht von Begeisterung gekennzeichnet. Marc Glotz beschreibt den Menschen Mayer in seiner Broschüre über die tragischen Ereignisse, die zum Tode von Jules André Peugeot und Albert Mayer - den ersten beiden Französischen und Deutschen Gefallenen führen, sehr anschaulich und stellt Mayer´s "Kriegsbegeisterung" in Zweifel: "Der Älteste - Albert - fand sich schließlich nach längerem Zögern bereit, um der Familienehre willen, wie er es selber ausdrückt, die Uniform anzuziehen".

Im Kontext des Projektes "MAYERS ERDE" - dem Versuch die Verwendungsgeschichte von Albert Mayer und seiner Graberde einer künstlerisch-historischen Forschung zu unterziehen, ist das Interview des Kurators aus Karlsruhe insofern von Bedeutung, als dass Tote sich nicht wehren können und sie stets Opfer jeweils aktuell vorherrschender Sichtweisen der Erinnerung werden.

Während des Dritten Reiches steigt Albert Mayer kurzfristig als Erstes Opfer zu einem verehrungswürdigen Helden auf, dessen Graberde zur Widukind Gedächtnisstätte nach Enger gebracht werden, später gerät Mayer in Deutschland in Vergessenheit und bleibt fast nur noch in Frankreich am Tatort in Joncherey in Erinnerung. Man nennt ihn auch Camille Mayer und Legenden bilden sich, er sei möglicherweise ein Elsässer und damit ein doppelt tragisch Gefallener.

In Illfurth auf dem Deutschen Soldatenfriedhof wird ihm ein eigener Grabstein gewidmet, der ihn als Erstgefallenen auszeichnet. In Müllheim wird ihm ein Ehrenraum im Jägerdenkmal für sein Regiment erstellt. Mayer selbst bleibt tot.

Und tot bleibt tot da helfen keine Denkmäler nicht, keine Feldblumen und keine Radieschen.

Ein zentraler Grund, Albert Mayer seine Graberde in einer stillen Geste zurückzubringen sind die vielen Zuweisungen - Held, Opfer, Täter oder Mörder - die ihm zuteilig werden. 

Die Ge- und Mißbrauchsgeschichte in einer persönlichen und privaten Geste zu beenden und zugleich diese Handlung als eine Fußnote in die Geschichtsschreibung einzutragen, ist ein Ziel dieser Seiten, meiner Promotion und der vielen gesammelten künsterischen Reaktionen auf seine ehedem "heilige Grabeerde", die in Ilffurth an seinen Ausgangsort zurückkehren soll.

Mehr zu Mayers Erde finden Sie aktuell in Goslar im WELTKULTURERBE RAMMELSBERG in der Installation des inszenierten Forschungsapparates im Kontext von Remember 1914-1918, zu der ich Sie sehr herzlich einladen möchte.

Ruppe Koselleck,
am 10. April 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Donnerstag, 27. März 2014

Aufgebaut




Bin gerade fertig geworden. Ein Besen steht noch - und er steht gut in der Installation MAYERS ERDE. Eröffnung ist am 1. April 2014 um 19 Uhr im Weltkulturerbe Rammelsberg in Goslar. 

Ich zeige MAYERS ERDE als den inszenierten Forschungsappart des ONLINEPROMOVENTEN.

Um 20 Uhr werde ich den Versuch unternehmen in einem performativen Vortrag die Translokation einer historischen Graberde zu erläutern.

Es geht um Albert Mayer - den Ersten Deutschen Gefallenen von 1914 und insbesondere seine Graberde, die 1937 zu einer Blut und Boden Reliquie transformiert wurde. Wie geht man vor, wenn man eine Blubo-Reliquie zu profanieren hat?

100 Jahre nach dem Tod des Leutnants zu Pferde werde ich in einer stillen Geste seine Erde an das Grab des toten Soldaten zurückbringen.

Geplant ist ein ganzes langes Jahrhundert mit der Fußnote einer Geschichte aus Zeit und Erde abzuschließen.

Zu Gast in der Installation sind Original Eisenhaltige Fundstücke und Projektarbeiten sowie Videos, die in Kooperation mit den Universitäten Münster und Osnabrück, dem Widukind Gymnasium Enger, dem Gymnasium Paulinum Münster sowie dem Widukind Museum Enger entstanden sind.

Die Totalinstallation zeigt den aktuellen Forschungsstand der künstlerischen ONLINEPROMOTION.



Ruppe Koselleck,
am 27. März 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Donnerstag, 20. März 2014

Über einen Pokal, den keiner haben will

Aktuell laufen die Vorbereitungen für die nächste Präsentation von MAYERS ERDE auf Hochtouren. Im Kooperationsprojekt mit einem EF Kunstkurs von Jutta Lohaus am Gymnasium Paulinum haben Laura Blömker, Lucia Zoe Miehe, Caroline Müller-Hofstede und Johanna Wahle einen Pokal entwickelt, der ebenso böse wie elegant einen Vorschlag zur Entsorgung einer historischen Graberde vornimmt.

Drei handvoll Graberde von Albert Mayer - dem ersten Deutschen Gefallenen des Ersten Weltkrieges - waren im Jahr 1937 vom Deutschen Soldatenfriedhof in Illfurth entnommen worden. Aus diesen Erden wurde ein Blut-und-Boden"Heiligtum" entwickelt. Als eine Art "Geschichtsdoping" sollte diese "Reliquie" die Widukind Gedächtnisstätte in Enger aufwerten und den soldatischen Tod als etwas erstrebenswertes und ehrvolles darstellen. MAYERS ERDE diente der mentalen Vorbereitung des nächsten bereits geplanten Krieges von Nazi-Deutschland. Sie stand neben einem Heldengedenktryptichon in einem offenen Tongefäß zur verehrenden Einsicht in der Stätte "ruhmreichen Germanentums", die um den Sachsenkrieger Wittekind gebaut worden war.



Wohin mit MAYERS ERDE? Das Viererteam entwickelte einen Pokal mit der Aufschrift 
1. Gefallener - Albert Mayer - Leutnant zu Pferde 24.4.1892 - 2.8.1914 

Albert Mayer auf dem Pferd, Quelle: Familienalbum
Eine hochzweifelhafte Ehre und ein Titel, den so recht niemand haben will. Der historische Soldat und Erste Deutsche Gefallene des Ersten Weltkrieges war Reiter und nahm unter anderem auch in BadenWeiler an Tournieren teil. Das mit einem Sprungreiter verzierte Ehrentitelgefäß reflektiert das Wenige, was wir heute noch von dem mit 22 Jahren gefallenen Leutnant aus Magdeburg wissen.

Nun erhält der so "prominent" Gefallene einen Pokal - gefüllt mit Erde, die symbolisch für die "echte" Graberde steht, die heute im Widukind Museum in Enger steht. 
Der Pokal als ein Kelch, der an jedem besser vorbeigegangen wäre - ein Titel, für den er sich nichts kaufen konnte. Dieser böse Kommentar zur Ge- und Mißbrauchsgeschichte mit der historischen Graberde, tritt am kommenden Dienstag eine Reise an, die ihn zur Weltkulturerbestätte Rammelsberg nach Goslar führen wird.
Dort eröffnet am 1. April 2014 um 19 Uhr eine Ausstellung im Kontext der Erinnerung an den 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs. Mit Albert Mayer als erstem Deutschen Toten begann in Joncherey am 2. August 1914 das millionenfache Sterben an der Westfront. Delikaterweise fiel Leutnant Mayer ein Tag vor der kaiserlichen Kriegserklärung an Frankreich und tötete auf einem Patroullienritt auf französischem Boden zuvor noch Jules André Peugeot, den ersten Französischen Gefallenen des Grande Guerre.

Mehr über MAYERS ERDE, Positionen und Schülerarbeiten vom Widukind Gymnsasium aus Enger und dem Gymnasium Paulinum aus Münster sowie Infos zum Stand meiner künstlerischen Forschung im Kontext der Translokation historischer Graberden können Sie gerne in Goslar sehen.

Sehr herzlich lade ich Sie in meine Installation MAYERS ERDE und das inszenierte Forschungslabor des Onlinepromoventen ein.

MAYERS ERDE und mehr im WELTKULTURERBE RAMMELSBERG
MUSEUM & BESUCHERBERGWERK, Bergtal 19, 38640 Goslar
 

Ruppe Koselleck, am 20. März 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Samstag, 8. März 2014

Ratlos im Web zwischen Blumen und Erden


Bei meinen täglichen Recherchen im web bin ich heute auf Mayer´s Blumenerde gestossen. Bei bestem Sonnenschein und aufbrechenden Frühling frage ich mich, ob die Firma Mayer´s auch Graberden im Programm hat. Dann hätte ich nach den Heiligen Erden aus Verdun endlich auch eine moderne Auflagenkunst im Kontext meiner Bemühungen zur Translokation der drei Handvoll Graberden des Albert Mayer.

update > 1914 _ 2014 <

Es ist ein Tag aus der Kategorie "auf abwegen" heute. Während in der Ukraine Lunten lang vergessener Pulverfässer glimmen, scheinen sich Konfliktlinien von 1914 auf 2014 upzudaten. Gedanken zeichnen lila Linien auf meinem Fingerpäd, irgendwo zwischen diesem Blog und den sich aufbauenden Blöcken. Die vielen Wehs zeichnen sich entlang der digitalen Demarkationslinien zwischen dem web und den Weltkriegen auf und aus schwarzem Grund.
Das update > 1914 _ 2014 < ist ein MEER-ALS-SCHWARZ-BILD aus irgendeiner weiteren Serie gedachter Artefaktion.
Das emotive Bild wirkt als Erkenntnissurrogat - der Abgrund der Oberfläche ist dabei dunkel und offensichtlich hintergründig, gedacht.

Ratlos.

Vergessen fast zu erwähnen, dass die Stiftung Warentest am 25. März 2004 der Blumenerde von Mayer (oben) ein eher dürftiges Atest ausstellte. Sie sei ein billiges Produkt mit schwankender Qualität, das sich teilweise durch Nährstoffmangel auszeichnete und in der B-Probe grobe Holzstücke aufweisen konnte.
Das damals diagnostizierte saure Milieu unterstreicht dabei fast schon einen Charakter seltener Erden. Über die Gedanken die sich die Frau mit dem ungestrichenen Handschuh dabei macht, möchte ich mich blumig ausschweigen.

Zwei Bilder für einen wunderschönen Tag wie heute, während die Sonne hinter meinem Monitor versunken ist.


Ruppe Koselleck, am 8. März 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Dienstag, 4. März 2014

Über den Handel mit Heiligen Erden

Die "blutgetränkte" Erde von Verdun ist bis heute von Überresten menschlicher Knochen und militärischer Kampfmittel kontaminiert - das ganze Schlachtfeld glich einem einzigen verschlammten, vermienten und verstunkenen Grabfeld. Ein einziger Friedhof, über den heute Gräser und Bäume wachsen. Es begann noch während des Krieges ein Prozess, der den umkämpften Boden "heilig" werden ließ - eine Art hilflose Sinnstiftung für das sinnlose Massensterben der Soldaten, die ihr Leben für das jeweilige Vaterland dort lassen mussten.
Solche "heiligen Erden" wurden ritualisiert entnommen und als Originalerden in Sockeln von Denkmälern eingelassen oder etwa in der Langenmarck Halle im Olympia Stadion zu Berlin in einem Schrein verehrt, nachdem diese höchstpersönlich von Carl Diem dorthin befördert wurden.

Dass bis heute der Handel mit Heiligen Erden seine Freunde und Bieter findet, belegt dieser Link zum modernen Reliquien- oder Dokumentenhandel.

Über die Motive der Bieter will ich an dieser Stelle nicht spekulieren. Der streitbare Wert eines vollen oder leeren Jutesacks "Heiliger Erde" wird sich in den Bieterschlachten von 2014 wiederspiegeln. Aktuell sind etwas um 250 Euro geboten.
Immhin gibt es in einem kruden, materiellen Sinn einen Grund zu dieser eigentümlichen "Auratisierung". Der hunderttausenfach dort stattfindendende Tod hinterließ potentiel "Blut, Eisen und Knochenspuren" in der Erde. Was für einen Wert drückt das - wem auch immer - im Jahr 2014 aus?

Anders in dem von mir untersuchten Fall - von Mayers Erde, wo keinerlei reale Spuren des Toten Albert Mayer enthalten sein können. Es handelt sich nur um die Erde einen Meter über seinen sterblichen Überresten, die auf einem Waldfriedhof in Illfurth liegen.

Das allein reichte im Jahr 1937 schon aus, um soviel "Heilige Opferbereitschaft" dort hineinzulegen, dass man daraus eine NS-Reliquie des ersten Toten deutschen Soldaten von 1914 herstellen konnte.

Würde man "Mayers Erde" bei ebay einstellen, könnte sich daraus "Heiliges Kapital" monetarisieren lassen? Und was sollte man mit diesem Geld anfangen? Wäre das dann auratisch aufgeladende Geschichtskapitalia. Seltsame Ideen und Fragen, am Ende einen langen Tages, heute.


Ruppe Koselleck, am 5. März 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Montag, 24. Februar 2014

Neuschnee

 
Der Neuschnee von heute morgen fällt auf die Spanischen Reiter von vor hundert Jahren.
Bis heute sind die Spuren des Ersten Weltkrieges entlang der überwachsenen Schützengräben von 1914-1918 in den Vogesen sichtbar geblieben. Aus dem frischen Schnee auf dem Tête de Faux bei Orbey ragen die Spitzen der Spanischen Reiter heraus, an denen die angreifenden Gegner wie die sich zurückziehenden Freunde hängenbleiben sollten.


Militärische Landmarken versperren den Weg. Rehe, Kaninchen oder achtlose Passanten nehmen heute wie morgen wiederholten und unfreiwilligen Kontakt mit den rostigen Stacheldrähten des gestrigen Gestern auf. Militariensammler klauben Drähte und ernten für ihre Sammlungen die erstaunlich zähen Souvenire aus stacheligen Stahl aus einer furchtbaren Zeit.


Der Schnee von heute morgen reicht nicht, den Krieg und seine Erinnerung an ihn zu verstecken.
Irgendwo zwischen steinigem Grund und gefrorenen Boden schaue ich auf die Spitzen der Spanischen Reiterei im Schnee und plane diesen Film über die weisse Konstruktion einer Erinnerung an dunkle Flecken, die nicht meine sind.

Aus den fremden Vergangenheiten vertrauter Väter legiert sich irgendwo in meinem verschneiten Assoziationszentrum ein Rekonstruktionsanlass zwischen Kitsch und Krieg, Stille und Staunen - 978 Meter über Normal Null in den Vogesen.
 
Auf der Suche nach Spuren und Formen für diese Zeit, heute - hundert Jahre danach.

Ruppe Koselleck, am 18. Februar 2014 im Projekt MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Dienstag, 4. Februar 2014

Europäisches Geschichtsdoping

Auf jeden Toten kommen 12 Touristen
Ypern 2014
Auf jeden Touristen kommen 12.000 Tote
Syrien 2014

Historische Kriegstote sind Europäisches Geschichtsdoping. Der gefallene Soldat dient weiter als kriegsauslösendes oder friedensstiftendes Motiv politischer Interventionen. Die präzise Erinnerung an Täter und Opfer erscheint als ebenso lästiger wie notwendiger wiederkehrender hundertjähriger Zeitspasmus unserer gemeinsamen Gegenwärtigen Vergangenheiten.

Albert Mayer und Jules André Peugeot - die ersten beiden deutschen und französischen Toten von 1914.

Verbringe eine weitere durchwachte Nacht mit dem Zweifel an meinem Mayer und seinem Peugeot - am Sinn einer künstlerischen und historischen Auseinandersetzung mit den ersten beiden deutschen und französischen Toten von 1914. Einmal eingeschlafen, wieder aufgewacht mit einem klaren Gedanken, den ich hier nur ungenau konstruieren kann.

Der ganze erste Große Krieg wirkt als ein wertvolles Europäisches Geschichtsdoping  - Fraglich nur, wohin uns die Inszenierungen und der weitverbreitete Geschichtskonsum dieser Erinnerungen führen werden? Ist es Karneval, wenn am 14. Juli 2014 auf dem Champs Elysees 70 Nationen in historischen Uniformen aktuelle Beine bekommen werden? Wohin geht Europa? Zu den nicht gegründeten Staaten des Friedens von Versailles von 1919 und Sèvre 1920? Zur Ukraine von 2014, zum Kurdistan von 2099 oder dem Syrien von Homs, von heute morgen? Welche Pläne werden geschrieben?

Wie zivil fällt die Erinnerung an den militärischen Imperialismus von 1914 aus? Möchte ich zum Hundertjärhigen Jubiläum des Großen Krieges Uniformen an Gräbern Posaunen spielen sehen? (Und wen interessiert, was ich möchte?) Sollen sie in historischen Kostümen traurige oder fröhliche Märsche blasen? Gibt es einen Zusammenhang von militärischer Ehren der Erinnerung an den Krieg und der neuen Rolle Deutschlands an der Seite Frankreichs in Mali? Mali mir ein kleines Bildchen dazu?

Doch zurück zu Mayer. Seine Erde - der Geschichte des Mißbrauchs der Erinnerung an einen Soldaten, den man ein Tag vor Kriegsausbruch auf Patroullie schickte, um das "Feindesland" zu erkunden und in Joncherey zu töten und getötet zu werden. Seine Graberde wurde 1937 zur Reliquie der Nazis, die mit seiner heroisierenden Verehrung Kinder für den nächsten Krieg gewinnen wollten. Seht hier - Mayers Erde - welch eine Ehre sein wertvollstes - sein Leben für das Vaterland zu geben!

Mayers Erde 40er Jahre

In einem offenen Tontopf zu Enger standen die drei Handvoll Graberde in einem kruden germanischen Kultus in Gemeinschaft mit dem sagenhaften Sachsenkrieger Widukind.

Hinter einem wehrhaften Gitterkorb, an dessen Enden sich dreispitzige Surrogate des "Spanischen Reiters" befanden, wo sich andernortes über den Schützengräben europäische Gedärme bewaffneter Krieger aufspießten.

Spanisches Reitersurrogat
Nichts hatten der Mayer mit dem Widukind - nichts hatte der tote Reiter mit Ostweltfalen am Hute.

Heute ruht Mayers Erde hinter einer doppelten Vergitterung in einem Stahlregal zur Erinnerung an die alte NS Gedächtnis- und Weihestätte für Widukind. Aufbereitet als ein Museumstück des  - im übrigen unbedingt zu besuchenden Widukind Museums in Enger.


Es ist an der Zeit, dem ersten Toten seine Erde zurückzubringen. Eine Erde, die weder heilig noch besonders wertvoll, die einfach nur Graberde vom Einzelgrab 4/181 ist, die 1937 auf eine mißbräuchliche Reise ging, die 2014 wieder auf dem Deutschen Soldatenfriedhof zu Illfurth enden soll.





Als eine Fußnote der Geschichte soll die Grabruhe von Albert Mayer an seinem hundertsten Todestag widerhergestellt werden.

Ohne Posaunen - ohne Soldaten. Still.


Offen für die vielen Millionen Toten:
Wie funktioniert zivile Erinnerung an den soldatischen Tod?

Ruppe Koselleck
für MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918

Mittwoch, 22. Januar 2014

Mayer in Magdeburg

Dort (...dem Finger folgen....) wurde am 24. April 1892 Albert Mayer in der Wasserstraße 3 in Magdeburg geboren.

Die Stadt Magdeburg widmet dem ersten Gefallenen von 1914 gleich zwei Vorträge im Kontext ihrer Veranstaltungen zum 100. Jahrestages des Ersten Weltkrieges.
Der in Deutschland weitgehend unbekannte Albert Mayer fiel am 2. August 1914 und damit ein Tag vor Kriegsausbruch in Joncherey auf einem illegalen Patrouillenritt auf französischen Boden. Bevor er tödlich getroffen von seinem Pferd fiel, tötete der Leutnant noch Jules André Peugeot - den ersten französischen Gefallenen.

Auf dem Schulweg des jungen Albert Mayer: Die Bäckerei Schmidt in der Richard Wagner Straße, Magdeburg 1910
Theo Toebosch verwendet in einem Artikel über die Eerstgevallenen in der niederländischen Zeitschrift Historisch Nieuwsblad die Beschreibung des Traurigen Rekords ("triest record"), den die beiden ersten Toten am 2. August 1914 an der Westfront aufstellten.
Während die Französische Seite seit 1914 mit besonderen Gedenkstätten und Zeremonien an den Tod des ersten Toten auch 99 Jahre danach noch gedenkt - geriet Albert Mayer in Deutschland - trotz einer Gedenkstätte in Müllheim und dem Versuch drei Handvoll Graberde als eine NS Reliquie zu etablieren - mit der Zeit in Vergessenheit.

Das Bankhaus von Albert Mayers Vater am Wiener Café National.
Am 29. April 2014 wird Theo Toebosch im Kulturhistorischen Museum um 19 Uhr ein Bild vom Leben der ersten beiden Toten von 1914 entwerfen und dabei Besonderheiten und Begebenheiten im Kontext nationaler Gedächstniskulturen um die "ersten" Toten reflektieren. Demnächst erscheint dazu ein Buch, das aktuell (leider) "nur" in Niederländisch zu kaufen ist und welches ich an dieser Stelle vorstellen werde, sobald es erschienen ist.

Den zweiten Vortrag zu Mayer halte ich dann am 20. Mai 2014 aus der Perspektive künstlerischer Transformationen und aktueller wie historischer Translokationen von Graberden - mit dem  Schwerpunkt auf MAYERS ERDE selbst. Sind Graberden heilig? Umgeben sie Auren? Kann man die sehen? Sind die echt? Kann man eine NS Blut und Boden Reliquie ent"weihen" - de-sakralisieren? Und wenn ja - wie geht das dann?

Hier wohnte Familie Mayer in Magdeburg, von dort aus ging der junge Mayer zur Schule...................................................
Doch vor der Erde und dem Ende steht das Leben - sein Leben - und ich werde mich auf die Suche nach Spuren von Albert Mayer begeben, der am 24. April 1892 in der Wasserstraße 3 (s.o.) geboren wurde, der 1998 sicherlich mehr als einmal die Bäckerei Schmidt betrat, ein Brötchen kaufte und zu seinen Geschwistern nach Hause ging. (Dort wo im Bild 2,57 cm über dieser Zeile mein Finger hin zeigt).

Ob es bei meiner Suche zu microinvasiven Interventionen im öffentlichen Raum kommt, bleibt aktuell noch offen. Mehr dazu später....

Freut sich über Ihren Besuch, am 29. April oder dem 20. Mai in Magdeburg.

Herzliche Grüße vom Onlinpromoventen.

Ruppe Koselleck
für MAYERS ERDE

MAYERS ERDE ist ein Kooperationsprojekt des Onlinepromoventen mit der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Brenne,  dem Widukind Museum Enger sowie Remember 1914-1918