Albert Mayer und Jules André Peugeot - die ersten beiden Toten des ersten Weltkrieges.
Der erste schoß den zweiten tot und beide waren an einem 2. August 1914 in Joncherey gefallen -
ein Tag, bevor der Kaiser den Krieg erklärt hatte.... Mayers Erde wurde von seinem Grab genommen und (...)
Mayers Erde - eine Reise durch ein langes 20. Jahrhundert.
Zum nächsten Vortrag zur Reise von drei Handvoll Graberde lade ich Sie sehr herzlich am 18. März 2018 um 19:30 Uhr in das Maison Heinrich Heine in Paris ein.
Performativ werde ich darum bemüht sein einen komplexen Prozeß durch Sein und Zeit zu schleusen, während Susanne von Bülow ihre Blaubeermalereien aus Schützengräben vorstellt
und Bilder zur Diskussion stellt, die in absehbaren Zeiträumen von einigen langen Dezenten verschwunden sein werden. - VANISHING WAR.
Armin Owzar - Professor für die Geschichte deutschsprachiger Länder an der Sorbonne, wird nach einem Inputvortrag durch die Diskussion und den Abend führen.
Albert Mayer (24. April 1892 - 2. August 1914), Tournierreiter und Leutnant zu Pferde
Während ich meine Memorialen Interventionen in Magdeburg vornahm, befragte ich Passanten ob sie denn den Albert Mayer kennen würden und bekam unisono staunende Blicke zurück. Welchen Mayer? Den Egon? Nö, noch nie gehört. Wer ist das? Wohnt der hier?
Anders als Jules André Peugeot, der erste französische Gefallene des Grande Guerre, dem alljährlich eine Zeremonie zur Erinnerung gewidmet ist, kennt man in Magdeburg (und wohl auch in ganz Deutschland) den Albert Mayer nicht. Der gebürtige Magdeburger - Leutnant zu Pferde - erschoß am 2. August 1914 und damit ein Tag vor der kaiserlichen Kriegserklärung an Frankreich, den Korporal Jules André Peugeot in Joncherey bei Delle nahe der Burgundischen Pforte, bevor er selbst, tödlich getroffen vom Pferd fiel. Da der Krieg noch unerklärt war und der Bankierssohn Mayer mit vier weiteren Reitern nach Frankreich auf Patroullie geschickt wurde, handelt es sich um einen illegalen Grenzübertritt - handelt es sich bei dem Gefecht mit den tödlichen Folgen möglicherweise sogar um Mord. Die Toten von Joncherey sind die Folgen des imperialen und völkerrechtsbrüchigen Deutschen Kaiserreiches und so kam es zustande, dass man den Peugeot in Frankreich in Erinnerung und den Mayer eher in Vergessenheit hält.
Meine Magdeburger memorialen Interventionen in den öffentlichen Raum konstruierten für wenige Stunden ein ALBERT MAYER STRASSE und hinterließen Spuren der Erinnerung in Form von Aufklebern auf dem Parkscheinautomaten vor seinem Elternhaus oder einem Laternenpfahl vor seinem Geburtshaus nicht weit der Elbe.
Am 20. Mai 2014 erhielt ich im Kaiser Otto Saal im Kulturhistorischen Museum die Gelegenheit einen performativen Vortrag rund um die unterschiedlichen Gedächtniskulte zu halten. In meinem Nacken und auf dem Pferde die Skulptur von Kaiser Otto - der eigentliche große und bekannte Magdeburger Reiter. Für nur wenige Stunden nutzte ich die Gelegenheit dem unbekannten Albert Mayer eine minimal-monumentale Erinnerung zuteil werden zu lassen. Der andere Magdeburger Reiter resp. die Abbildung seines Grabes vom Soldatenfriedhof in Illfurth (Elsass) lag dem hochsakral inszenierten Kaiser in der Apsis des Vortragssaal zu Füßen.
Parkscheinautomat, Richard Wagner Straße, Magdeburg 2014
Die Aufkleber auf dem Parkscheinautomaten, die an Mayer und auch Peugeot erinnern zurück - solange bis die klebenden Marken der Erinnerung wieder beseitigt werden.
Die nächste Veranstaltung im Kontext MAYERS ERDE findet am 1. Juni 2014 um 14 Uhr in der Zeche Zollverein statt.
Wohin mit historischen und "heiligen" Graberden? Wie inszenieren wir unsere Erinnerung an den fernen Krieg? Wie fern ist dieser Krieg? Worin liegen die Unterschiede nationaler Erinnerungskulturen? Was soll aus Mayers Erde werden?
Man konnte Mayer nicht und hatte seine Familie nicht gefragt, als man 1937 mit offizieller französischer Genehmigung drei handvoll Graberden in eine Opferreliquie verwandelte... Kann man Geschichte mit einer Geste beenden? Wen interessiert der 1. Weltkrieg?
Gibt es ein ziviles Gedenken an den militärischen Tod?
Zum performativen Vortrag im Rundeindicker der Zeche Zollverein möchte ich Sie sehr herzlich einladen. Der Vortrag findet im Kontext des Projektes Remember 1914-1918 statt.
Mayerstadt Magdeburg - Postkarte für die Stadt Magdeburg, die ihrem Gefallenen Soldaten gedenkt.
Ich packe gerade den Wagen für meine Reise nach Magdeburg, dem Geburtsort von Albert Mayer, dem ersten Gefallenen Deutschen Soldaten von 1914. Ist sein "Pech" der erste Gefallene des Weltkrieges zu sein, der besonderen Erinnerung wert? Ist der Erstgefallene gar ein persönlicher Titel, der verblasst vor den Millionen die ihm folgen werden? Ist das persönliche Unglück eine militärische Kategorie? Gibt es eine zivile Erinnerung an den soldatischen Tod?
Auf den Spuren der Erinnerung rund um den Menschen Mayer besuchte ich bereits einmal den Geburts- und Wohnort und fand keine Verweise auf den am 2. August 1914 gefallenen Leutnant zu Pferde. Mayer war ein Tag vor Kriegsausbruch auf Patroullie nach Frankreich geschickt worden und tötete in Joncherey den Sous-lieutnant Jules André Peugeot - den ersten Französischen Toten des Grande Guerre.
Beschilderung für nur einen Tag - Albert Mayer Straße in Magdeburg
Ursachen und Zusammenhänge für den unterschiedlichen Umgang mit der Erinnerung rund um die tragische Begegnung der beiden 22 und 21 Jahre jungen Soldaten, deren tödlicher Ausgang den Beginn des Krieges zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich markierten, sind das Thema dieses Blogs - Ausgangspunkt einer künstlerischen und historischen Forschung, die sich dem aktuellen offiziellen Gedenkzeremonien entzieht.
Anders als Peugeot, dem bis heute unterschiedlich gedacht wird, ist Albert Mayer als erster Gefallener des Weltkrieges weitgehend in Vergessenheit geraten. Diesen Zustand werde ich in Form temporärer Interventionen für nur einen Tag verändern und an den historischen Orten eine reale Beschilderung hinzufügen.
Am Dienstag abend werde ich um 19 Uhr im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg einen künstlerischen Vortrag zu Albert Mayer und seine im Dritten Reich mißbrauchte Graberde halten, deren Rückführung zu seinem Grab in Vorbereitung ist.
Der Vortrag behandelt historische Graberden und den künstlerischen Umgang mit ihnen.
Neben dem Vortrag zeige ich Ausstellungsstücke, Originale, Postkarten und multiple Transformationen aus der Installation MAYERS ERDE, die bis Sonntag noch in der Welterbestätte Bergwerk Rammelsberg zu sehen sind....
Sehr herzlich möchte ich Sie zum Vortrag Mayers Erde oder dreierlei Geschichten aus Zeit und Erde einladen!
(Bei Nachfragen können Sie mich vorab am 20. Mai 2014 ab 14 Uhr telefonisch unter
0177.9700095 erreichen.)
Ort: Kulturhistorisches Museum Magdeburg, 19 Uhr, Otto-v.-Guericke-Straße 68-73